Bewertungen

Sie schreiben nicht für den Verfasser

· von Daniel Götz

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei acht von zehn Betrieben liegt die Antwortquote auf Bewertungen unter zehn Prozent.
  • Eine Bewertung wird einmal geschrieben und hundertmal gelesen. Ihre Antwort auch.
  • Bei guten Bewertungen ist die Antwort die zweite Chance: Dort können Leistung und Ort stehen, die in der Bewertung fehlen.
  • Bei Kritik schreiben Sie nicht für den Verfasser, sondern für die Mitleser. Sachlich, kurz, mit Gesprächsangebot.

Eine Bewertung wird einmal geschrieben und hundertmal gelesen. Ihre Antwort darauf auch.

Das ist der Grund, warum die Antwort oft mehr wiegt als die Bewertung selbst - und warum es ein Fehler ist, sie nur bei Kritik zu schreiben.

Die Zahlen

Bei acht von zehn geprüften Betrieben lag die Antwortquote unter zehn Prozent. Eine Kanzlei mit einunddreißig Bewertungen hatte auf genau eine geantwortet.

Google zeigt Antworten sichtbar an. Ein Profil, in dem der Inhaber auf jede Rückmeldung reagiert, wirkt anders als eines, in dem seit Jahren niemand etwas geschrieben hat.

Bei guten Bewertungen: die zweite Chance

Die meisten Bewertungen sind kurz und sagen nichts Konkretes. "Alles super, gerne wieder." Fünf Sterne, aber kein Beleg für eine Maschine.

Ihre Antwort kann liefern, was fehlt:

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Wir freuen uns, dass die Fassadensanierung in Musterstadt zu Ihrer Zufriedenheit gelaufen ist - und wünschen Ihnen viel Freude damit.

Damit steht Leistung und Ort im Text. Geschrieben von Ihnen, aber im richtigen Zusammenhang und ohne jede Übertreibung.

Machen Sie das nicht bei jeder Bewertung mit denselben Worten. Wenn dreißigmal derselbe Satz steht, fällt es auf.

Bei schlechten Bewertungen: für die Mitleser

Drei Regeln:

Sachlich bleiben. Der Ton wird stärker gelesen als der Inhalt. Wer sich verteidigt, wirkt schuldig. Wer angreift, verliert.

Den Sachverhalt kurz darstellen. Zwei bis drei Sätze. Was war der Auftrag, was ist passiert, wie sehen Sie es.

Ein Gespräch anbieten. "Rufen Sie mich gerne an, wir finden eine Lösung." Das zeigt dem Mitleser, dass Sie ansprechbar sind - unabhängig davon, ob der Verfasser anruft.

Was Sie nie tun sollten: den Kunden bloßstellen, Details aus dem Auftrag ausbreiten oder auf eine Bewertung mit einer Gegenbewertung reagieren.

Der Zeitpunkt

Innerhalb weniger Tage. Eine Antwort nach drei Monaten wirkt, als hätte jemand aufgeräumt.

Nehmen Sie sich einmal im Monat zwanzig Minuten und arbeiten Sie alles ab, was seit dem letzten Mal dazugekommen ist. Bei den meisten Betrieben sind das zwei bis drei Bewertungen.

Eine halbe Stunde, einmalig. Alle offenen Bewertungen durchgehen und beantworten. Danach reicht die monatliche Runde.

Was eine Antwort für Suchmaschinen bedeutet

Google zeigt Antworten sichtbar unter der Bewertung an. Sie sind Teil des Profils, werden gelesen und ausgewertet.

Für die Sichtbarkeit bedeutet das zweierlei. Erstens: Ein Profil mit Antworten wirkt gepflegt – ein Signal, das in dieselbe Richtung zeigt wie aktuelle Bilder und vollständige Angaben. Zweitens, und wichtiger: Die Antwort ist die einzige Stelle im Bewertungsbereich, an der Sie selbst formulieren.

Steht in einer Bewertung nur „alles super", steht danach in Ihrer Antwort, was gemacht wurde und wo. Damit enthält das Profil einen Beleg, den die Bewertung selbst nicht liefert – geschrieben von Ihnen, aber im richtigen Zusammenhang und ohne Werbesprache.

Drei Antworten im Vergleich

Dieselbe Bewertung, drei Umgangsweisen:

„Termin nicht eingehalten, zweimal verschoben. Arbeit war am Ende in Ordnung."

Nicht antworten. Der Mitleser sieht eine unwidersprochene Kritik. Der Eindruck: Es stimmt, und es interessiert niemanden.

Sich rechtfertigen. „Der Termin musste wegen einer Baustellenverzögerung verschoben werden, worüber Sie informiert wurden." Sachlich vielleicht richtig, in der Wirkung defensiv. Wer sich verteidigt, wirkt schuldig.

Einordnen und anbieten. „Danke, dass Sie das ansprechen – die Verschiebung war unser Fehler in der Planung, und dafür entschuldige ich mich. Dass die Arbeit am Ende gepasst hat, freut mich. Wenn Sie beim nächsten Mal einen festen Termin brauchen, sagen Sie mir vorher Bescheid, dann planen wir enger." Der Mitleser sieht jemanden, der Verantwortung übernimmt und ansprechbar ist. Das verkauft.

Der Rhythmus, der funktioniert

Nehmen Sie sich einmal im Monat zwanzig Minuten. Bei den meisten Betrieben sind das zwei bis drei Bewertungen – also fünf Minuten Arbeit und fünfzehn Minuten Ruhe.

Einmalig, zum Anfang, lohnt sich eine halbe Stunde: alle offenen Bewertungen durchgehen und beantworten. Auch die alten. Eine Antwort auf eine zwei Jahre alte Bewertung wirkt seltsam? Weniger seltsam als gar keine.

Was Sie sich sparen können: eine Erinnerung für jede einzelne Bewertung. Der monatliche Durchgang genügt vollkommen, solange Sie ihn tatsächlich machen.

Wenn die Bewertung schlicht nicht stimmt

Manchmal ist eine schlechte Bewertung keine Kritik, sondern falsch: eine Verwechslung mit einem anderen Betrieb, ein Vorwurf über etwas, das nie stattgefunden hat, oder eine Beleidigung ohne jeden Sachbezug.

Google entfernt solche Bewertungen – aber nur, wenn sie gegen die Richtlinien verstoßen, und nicht, weil Sie anderer Meinung sind. Entfernt wird, was beleidigt, was offensichtlich von einem Wettbewerber stammt, was persönliche Daten Dritter enthält oder was erkennbar zu einem anderen Unternehmen gehört. Nicht entfernt wird eine harte, aber sachliche Kritik.

Den Antrag stellen Sie im Profil über das Dreipunkt-Menü an der Bewertung, „Als unangemessen melden". Rechnen Sie mit einigen Tagen, oft mit einer Ablehnung im ersten Anlauf und einer Chance im Widerspruch.

Wichtiger als der Antrag ist, was Sie in der Zwischenzeit tun: antworten. Sachlich, kurz, ohne die Gegendarstellung zu einem Streit auszubauen. Etwa so: Wir finden zu diesem Namen und diesem Datum keinen Vorgang bei uns. Möglicherweise liegt eine Verwechslung vor – melden Sie sich gern unter der Nummer im Profil, dann klären wir das. Diesen Satz liest jeder Mitleser, und er wirkt stärker als jede Löschung, die vielleicht nie kommt.

Was Sie nicht tun sollten: die Bewertung ignorieren, weil sie unfair ist. Eine unbeantwortete Ein-Stern-Bewertung wirkt auf Mitleser wie ein Eingeständnis.

Häufige Fragen zum Antworten auf Bewertungen

Muss ich auf jede Bewertung antworten?

Sinnvoll ja, auch auf die kurzen und guten. Die Antwort ist die einzige Stelle, an der Sie den Zusammenhang selbst formulieren können. Und ein Profil, in dem auf jede Rückmeldung reagiert wird, wirkt anders als eines, in dem seit Jahren niemand etwas geschrieben hat.

Wie schnell soll ich antworten?

Innerhalb weniger Tage. Eine Antwort nach drei Monaten wirkt, als hätte jemand aufgeräumt. Bei kritischen Bewertungen möglichst noch schneller, weil sie in den ersten Tagen am häufigsten gelesen werden.

Darf ich in der Antwort auf Details des Auftrags eingehen?

Nur, soweit es zur Einordnung nötig ist – und nie über Dinge, die den Kunden bloßstellen. Zahlungsschwierigkeiten, private Umstände oder Auseinandersetzungen gehören nicht in eine öffentliche Antwort. Im Zweifel bieten Sie ein Gespräch an, statt zu erklären.

Was, wenn die Bewertung offensichtlich falsch ist?

Antworten Sie trotzdem, sachlich und kurz, und melden Sie die Bewertung zusätzlich bei Google. Die Meldung dauert und gelingt nicht immer. Die Antwort steht sofort und erreicht jeden Mitleser.

Soll ich in der Antwort Suchbegriffe unterbringen?

Wenn es natürlich geht, ja – Leistung und Ort im richtigen Zusammenhang sind wertvoll. Was auffällt und schadet: dreißig Antworten mit demselben Satz. Formulieren Sie jedes Mal neu, dann fällt es niemandem auf.

Wer sollte die Antworten schreiben?

Wer den Auftrag kennt. Antworten, die eine Agentur ohne Kenntnis des Vorgangs verfasst, klingen austauschbar und laufen Gefahr, an der Sache vorbeizugehen. Der Aufwand ist gering genug, um ihn im Haus zu behalten.

Muss man auf Google-Bewertungen antworten?

Verpflichtet ist niemand, sinnvoll ist es fast immer. Google zeigt Antworten sichtbar an, und ein Profil, in dem auf jede Rückmeldung reagiert wird, wirkt anders als eines, in dem seit Jahren niemand etwas geschrieben hat.

Wie antworte ich auf eine negative Bewertung?

Sachlich bleiben, den Sachverhalt in zwei bis drei Sätzen darstellen, ein Gespräch anbieten. Keine Rechtfertigung, kein Gegenangriff, keine Details, die den Kunden bloßstellen. Der Ton wird stärker gelesen als der Inhalt.

Kann eine Antwort eine schlechte Bewertung ausgleichen?

Die Sterne ändert sie nicht, den Eindruck sehr wohl. Viele Leser bewerten die Reaktion des Betriebs höher als die Kritik selbst – eine ruhige, konkrete Antwort auf eine harte Bewertung wirkt oft stärker als zehn wortlose fünf Sterne.

Darf ich eine Antwort später noch ändern?

Ja, jederzeit. Das ist nützlich, wenn sich ein Sachverhalt aufklärt: Aus „Wir prüfen das" wird später „Das Missverständnis ist geklärt, der Kunde hat sein Geld zurück". Mitleser sehen dann den Ausgang, nicht nur den Streit.

Sollte ich auf jede Bewertung antworten?

Auf jede kritische unbedingt. Bei den guten genügt es, regelmäßig zu antworten – wer auf hundert Bewertungen hundert gleichlautende Dankesformeln setzt, gewinnt nichts.

Wer sollte die Antworten schreiben?

Wer den Betrieb kennt und im Zweifel entscheiden darf. Eine Antwort, die erst abgestimmt werden muss, kommt zu spät.

Wie dieser Handgriff ins Gesamtbild passt

Antworten gehören zum Baustein Bewertungen – sieben Prozent bei Google, zehn in der KI-Suche. Innerhalb dieses Bausteins sind sie der Teil, den Sie vollständig in der Hand haben.

Ob jemand eine Bewertung schreibt, können Sie erbitten, aber nicht bestimmen. Was darunter steht, bestimmen Sie allein. Das macht die Antwort zum einzigen Stück Text im Bewertungsbereich, das planbar ist – und zur einzigen Stelle, an der Leistung und Ort verlässlich vorkommen können.

Zum Abhaken

  • Alle offenen Bewertungen einmalig aufgearbeitet
  • Antwortquote liegt über der Hälfte, besser bei hundert Prozent
  • Antworten kommen innerhalb weniger Tage
  • Bei Kritik: sachlich, kurz, mit Gesprächsangebot
  • Keine Auftragsdetails, die den Kunden bloßstellen
  • Kein Satz wird wortgleich mehrfach verwendet

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Daniel Götz

Geschrieben von

Daniel Götz

Ich prüfe lokale Betriebe auf ihre Sichtbarkeit - Handwerk, Praxen, Kanzleien. Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus Berichten, die dieser Check tatsächlich erstellt hat, nicht aus einer Studie.

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