Bewertungen

Die Frage, die aus fünf Sternen einen Beleg macht

· von Daniel Götz

Das Wichtigste in Kürze

  • Neun von zehn Betrieben haben Bewertungen, in denen weder die Leistung noch der Ort vorkommt.
  • Der Unterschied liegt in der Bitte: Wer nur um „eine Bewertung" bittet, bekommt „alles super". Wer einen Anhaltspunkt mitgibt, bekommt einen Beleg.
  • Der richtige Zeitpunkt ist unmittelbar nach der abgeschlossenen Arbeit, persönlich, mit kurzem Weg zur Bewertung.
  • Gegenleistungen sind unzulässig. Die Bitte selbst ist erlaubt.

Eine Bewertung mit fünf Sternen und ohne Text sagt einer Maschine: Jemand war zufrieden. Mehr nicht.

Eine Bewertung, in der steht "Herr Mustermann hat unser Treppenhaus in Musterstadt gestrichen, sauber gearbeitet, Termin gehalten", sagt derselben Maschine: Dieser Betrieb erbringt Malerarbeiten. In Musterstadt. Mit einem konkreten Ergebnis.

Das ist ein Beleg, den eine KI zitieren kann, wenn jemand fragt: Wen kannst du mir für Malerarbeiten in Musterstadt empfehlen?

Die Zahlen aus unseren Prüfungen

BetriebBewertungennennen die Leistungnennen den Ort
Malerbetrieb400
Metallbau500
Kanzlei3140

Über hundert Bewertungen zusammengenommen. In keiner einzigen stand der Ortsname.

Das ist keine Nachlässigkeit der Kunden. Es ist eine Frage, die niemand gestellt hat.

Die übliche Bitte und die bessere

Üblich: Würden Sie uns bei Google bewerten? Ergebnis: fünf Sterne, kein Text. Oder "Alles gut, gerne wieder."

Besser: Wenn Sie zufrieden waren - würden Sie kurz schreiben, welche Arbeit wir gemacht haben und wo? Das hilft anderen, uns zu finden.

Der Zusatz "und wo" ist der ganze Unterschied. Der Kunde schreibt weiterhin, was er erlebt hat. Er wird nur daran erinnert, es konkret zu schreiben.

Der richtige Zeitpunkt

Direkt nach der abgeschlossenen Arbeit, wenn der Kunde das Ergebnis vor sich sieht. Nicht drei Wochen später per Serienmail.

Am besten mit dem Bewertungslink auf dem Handy, den Sie ihm zeigen, während Sie noch da sind. Google stellt diesen Link für jedes Profil bereit - im Unternehmensprofil unter Bewertungen und "Mehr Bewertungen erhalten".

Jeder Schritt weniger bedeutet mehr Bewertungen. Wer erst suchen muss, wo er bewerten kann, bewertet nicht.

Die Antwort ist Ihre zweite Chance

Wenn eine Bewertung ohne Ort und Leistung kommt, können Sie beides in der Antwort nachliefern:

Vielen Dank für Ihre Bewertung. Wir freuen uns, dass die Fassadensanierung in Musterstadt zu Ihrer Zufriedenheit gelaufen ist.

Damit steht der Text da - geschrieben von Ihnen, aber im richtigen Zusammenhang. Und Google sieht, dass Sie auf Bewertungen antworten. Bei acht von zehn geprüften Betrieben lag die Antwortquote unter zehn Prozent.

Diese Woche. Bewertungslink holen und als Lesezeichen speichern. Auf alle offenen Bewertungen antworten. Ab dem nächsten Auftrag die Frage ändern.

Warum Bewertungen doppelt zählen

In der Rechnung wiegen Bewertungen wenig: sieben Prozent bei Google, zehn in der KI-Suche. Im Verkauf wiegen sie viel. Sie sind neben den Bildern das Erste, was jemand im Profil ansieht, und oft das Letzte, was vor einem Anruf den Ausschlag gibt.

Diese Doppelrolle erklärt, warum sich Arbeit an diesem Baustein lohnt, obwohl die Punktzahl allein es nicht nahelegt. Ein Betrieb mit vier Bewertungen gegen einen Mitbewerber mit hundertzwanzig verliert nicht bei Google – er verliert beim Menschen, der beide Profile nebeneinander sieht.

Für die KI-Suche kommt ein dritter Grund hinzu: Bewertungstext ist offen lesbarer Text mit Namen, Leistung und Ort. Genau danach sucht ein KI-System, wenn es einen Betrieb empfehlen soll.

Was in unseren Prüfungen auffällt

BefundWie oft
weniger als 10 Bewertungen4 von 10
letzte Bewertung älter als ein Jahr3 von 10
Antwortquote unter 10 Prozent8 von 10
Leistung oder Ort im Bewertungstext1 von 10
Bewertungen außerhalb von Google2 von 10

Die vorletzte Zeile ist die eigentliche Nachricht. Neun von zehn Betrieben haben Bewertungen, in denen kein einziges Mal steht, was gemacht wurde und wo. „Alles super, gerne wieder" ist fünf Sterne wert und null Belege.

Der Weg von der Bitte zur Bewertung

  1. Den richtigen Moment abpassen. Direkt nach der abgeschlossenen Arbeit,

wenn der Kunde das Ergebnis vor Augen hat. Nicht zwei Wochen später per E-Mail.

  1. Persönlich fragen, nicht über einen Automatismus. „Wenn Sie zufrieden

waren, würde mir eine kurze Bewertung sehr helfen."

  1. Den Weg kurz machen. Ein Kurzlink oder QR-Code auf der Rechnung, dem

Lieferschein oder einer kleinen Karte. Wer erst suchen muss, tut es nicht.

  1. Einen Anhaltspunkt geben. „Schreiben Sie gern dazu, was wir gemacht

haben" – ein Satz, der den Unterschied zwischen einer leeren und einer belegten Bewertung ausmacht.

  1. Antworten. Innerhalb weniger Tage, auf jede.

Was Sie nicht tun dürfen

Keine Gegenleistung. Gutscheine, Rabatte, Gewinnspiele oder auch nur ein Getränk gegen eine Bewertung verstoßen gegen die Richtlinien aller Portale und sind wettbewerbsrechtlich riskant. Die Bitte ist erlaubt, die Bezahlung nicht.

Keine gekauften Bewertungen. Sie sind an ihren Mustern erkennbar – mehrere Bewertungen am selben Tag, Konten ohne Verlauf, ähnliche Formulierungen – und ihr Verlust trifft ein Profil härter als ihr Gewinn ihm genutzt hat.

Keine Bewertungen im eigenen Haus. Mitarbeiter, Familie und der befreundete Betrieb von nebenan fallen auf, weil die Geräte- und Standortmuster sich ähneln.

Häufige Fragen zu Bewertungen

Wie viele Bewertungen brauche ich?

So viele wie die Anbieter, die bei Ihrem Suchbegriff vor Ihnen stehen – plus Bewegung. Zwanzig Bewertungen aus diesem und dem letzten Jahr wirken stärker als sechzig, deren letzte von 2019 stammt. Aktualität schlägt Menge.

Darf ich meine Kunden aktiv um Bewertungen bitten?

Ja. Die Bitte selbst ist ausdrücklich zulässig, solange sie an alle Kunden gerichtet ist und nicht nur an die, von denen Sie ein gutes Urteil erwarten. Unzulässig wird es erst, wenn eine Gegenleistung im Spiel ist.

Was tue ich bei einer Bewertung von jemandem, der nie Kunde war?

Antworten Sie sachlich und weisen Sie ruhig darauf hin, dass Sie den Vorgang nicht zuordnen können. Melden Sie die Bewertung zusätzlich bei Google – fehlender Kundenkontakt ist ein anerkannter Meldegrund. Das Verfahren dauert, die Antwort wirkt sofort.

Zählen Bewertungen auf anderen Portalen?

Für die Platzierung bei Google zählt in erster Linie Google. Für die KI-Suche und für den Gesamteindruck zählen weitere Quellen mit: Verzeichnisse, branchenspezifische Portale, Facebook. Ein zweites Standbein außerhalb von Google verbreitert das Signal.

Wie beantworte ich Bewertungen richtig?

Kurz, sachlich, ohne Werbesprache – und mit einem konkreten Bezug. Wenn Sie in der Antwort schreiben, welche Arbeit an welchem Ort gemacht wurde, steht genau der Beleg im Profil, den die Bewertung selbst nicht liefert. Nur nicht dreißigmal mit demselben Satz.

Wie oft soll ich mich um Bewertungen kümmern?

Zwanzig Minuten im Monat genügen bei den meisten Betrieben: neue Bewertungen beantworten, den Kurzlink weitergeben, gelegentlich prüfen, ob eine Meldung nötig ist. Einmalig lohnt sich eine halbe Stunde, um alles Offene aufzuarbeiten.

Wie frage ich am besten nach einer Bewertung?

Direkt nach der abgeschlossenen Arbeit, persönlich, mit einer konkreten Bitte und einem kurzen Weg dorthin. Ein Satz genügt: „Wenn Sie zufrieden waren, würde mir eine kurze Bewertung sehr helfen – schreiben Sie gern dazu, was wir gemacht haben."

Wie viele Kunden schreiben tatsächlich eine Bewertung?

Bei allgemeiner Hoffnung nahezu keiner. Bei konkreter, persönlicher Bitte mit Kurzlink liegt die Quote in der Praxis oft zwischen zwanzig und vierzig Prozent. Der Unterschied liegt fast vollständig in der Art des Fragens.

Darf ich meine Kunden per E-Mail um eine Bewertung bitten?

Ja, im Rahmen einer bestehenden Geschäftsbeziehung und mit klarem Bezug zum erledigten Auftrag. Achten Sie darauf, alle Kunden zu fragen und nicht nur die, von denen Sie ein gutes Urteil erwarten – eine gezielte Vorauswahl ist wettbewerbsrechtlich angreifbar.

Wie dieser Handgriff ins Gesamtbild passt

Bewertungen gehören zum gleichnamigen Baustein – sieben Prozent bei Google, zehn in der KI-Suche. In der Rechnung ist das wenig. Im Verkaufsgespräch ist es oft alles.

Der Grund für den Unterschied: Die Punktzahl misst Auffindbarkeit, nicht Überzeugung. Wer gefunden wird und dann vier Bewertungen neben hundertzwanzig des Nachbarn stehen hat, verliert nicht in der Suche, sondern danach.

Zum Abhaken

  • Kurzlink oder QR-Code für die Bewertung liegt bereit
  • Nach jedem abgeschlossenen Auftrag wird persönlich gefragt
  • Kunden bekommen einen Anhaltspunkt, was sie schreiben können
  • Keine Gegenleistung, in keiner Form
  • Jede Bewertung wird innerhalb weniger Tage beantwortet
  • Einmal im Monat zwanzig Minuten für den Durchgang eingeplant

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Daniel Götz

Geschrieben von

Daniel Götz

Ich prüfe lokale Betriebe auf ihre Sichtbarkeit - Handwerk, Praxen, Kanzleien. Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus Berichten, die dieser Check tatsächlich erstellt hat, nicht aus einer Studie.

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