Backlinks

Woran man schädliche Verweise erkennt

· von Daniel Götz

Das Wichtigste in Kürze

  • Linkfarmen sind Netzwerke aus Seiten, die nur existieren, um Verweise zu verkaufen.
  • Erkennbar an: beliebige Themen, hunderte ausgehende Links, kein brauchbares Impressum, maschinelle Übersetzungen, Zuwachs in Schüben.
  • In den meisten Fällen ist die richtige Reaktion: nichts tun. Google entwertet erkennbaren Müll, statt die Zielseite zu bestrafen.
  • Fünf echte Verweise aus dem eigenen Umfeld sind mehr wert als fünfhundert gekaufte.

Backlinks gelten als etwas, von dem man nicht genug haben kann. Das stimmt seit etwa zwanzig Jahren nicht mehr.

In einem typischen Fall kommen zehn von zwanzig verweisenden Domains aus Linkfarmen. Das ist kein Vorteil, den man nicht nutzt - das ist eine Belastung.

Was eine Linkfarm ist

Eine Website, die nichts tut außer zu verlinken. Kein echter Inhalt, keine echten Besucher, nur Seiten voller Verweise. Sie existiert, um Links zu verkaufen.

Google erkennt diese Netzwerke seit Jahren zuverlässig. Wer darin auftaucht, gilt bestenfalls als unbeteiligt, schlimmstenfalls als Mitspieler.

Woran man sie erkennt

Vier Merkmale, die einzeln nichts bedeuten und zusammen eindeutig sind:

Ungewöhnliche Endungen. Domains, die auf Endungen laufen, die kaum jemand freiwillig wählt, weil sie besonders billig zu bekommen sind.

Namen aus Zufallszeichen. Buchstabenfolgen ohne Wortcharakter, oft mit Ziffern gemischt.

Kein Bezug zum Thema. Ein Malerbetrieb, auf den Glücksspiel- oder Kryptoseiten verlinken.

Massenhaft gleichzeitig. Hundert neue Verweise in einer Woche, wo vorher über Jahre fünf entstanden.

Was das kostet

Nicht unbedingt eine Abstrafung - Google ignoriert die meisten dieser Verweise schlicht. Aber:

  • Sie verlieren die Zeit und das Geld, das Sie hineingesteckt haben
  • Bei hohem Anteil kann die Bewertung Ihrer Domain leiden
  • Der Aufwand, sie wieder loszuwerden, ist erheblich

Was Sie tun können

Erst messen. Ohne Zahlen ist jede Einschätzung geraten. Ein Blick auf die verweisenden Domains zeigt schnell, ob ein Problem vorliegt.

Bei geringem Anteil: nichts. Ein paar zweifelhafte Verweise hat fast jede Website, ohne etwas dafür zu können. Google kommt damit zurecht.

Bei hohem Anteil: Google bietet ein Werkzeug an, mit dem sich einzelne Domains für ungültig erklären lassen. Das ist ein Notfallwerkzeug, kein Bestandteil normaler Arbeit - und man sollte wissen, was man tut.

Das Angebot, das Sie ablehnen sollten

Wenn Ihnen jemand fünfhundert Backlinks für hundertneunzig Euro anbietet: Diese Links kommen aus genau den Netzwerken, um die es hier geht.

Fünf echte Verweise aus Ihrer Region - Innung, Verein, Lieferant - sind mehr wert als fünfhundert gekaufte. Und sie kosten nichts außer ein paar E-Mails.

Die vernünftige Reihenfolge. Prüfen, ob Schädliches im Profil ist. Wenn nein: den Baustein ruhen lassen und stattdessen Website und Verzeichnisse in Ordnung bringen. Dort bringt dieselbe Zeit ein Vielfaches.

Warum es überhaupt Linkfarmen gibt

Backlinks zählen. Das weiß jeder, der sich zwei Nachmittage mit dem Thema beschäftigt hat. Und Backlinks sind mühsam zu bekommen – sie hängen von anderen ab, brauchen Zeit und lassen sich nicht bestellen.

Genau in diese Lücke stoßen Linkfarmen: Netzwerke aus Seiten, die es nur gibt, um Links zu verkaufen. Sie versprechen in Wochen, was in Monaten wächst.

Für Suchmaschinen ist das seit Jahren erkennbar, und die Erkennung wird besser, nicht schlechter. Was heute noch wirkt, kann in einem halben Jahr zum Problem werden – das ist der eigentliche Grund, es zu lassen.

Die Merkmale im Überblick

Merkmalharmlosverdächtig
Thema der verlinkenden Seitepasst zur Branchebeliebig gemischt
Zahl ausgehender Linkswenige, im Texthunderte, in Listen
Impressumvollständig, realfehlt oder unauffindbar
Spracheeine, saubermehrere, maschinell übersetzt
AdresseVereins-, Firmen-, ZeitungsseiteZufallsname, oft mit Bindestrichen
Zuwachseinzeln, über Monatedutzendweise, in Tagen

Ein einzelnes Merkmal beweist nichts. Drei davon zusammen sind eindeutig.

Was Sie tun können – und was nicht nötig ist

Die gute Nachricht zuerst: In den allermeisten Fällen müssen Sie nichts tun. Google ignoriert offensichtlichen Müll einfach, ohne die verlinkte Seite dafür zu bestrafen. Sonst könnte jeder jedem schaden, indem er auf ihn verlinkt.

Handeln sollten Sie nur, wenn drei Dinge zusammenkommen: ein erkennbares Muster, ein größerer Anteil am Gesamtprofil und ein tatsächlicher Rückgang der Platzierungen zum passenden Zeitpunkt.

Dann gilt die Reihenfolge:

  1. Bestandsaufnahme über die Google Search Console.
  2. Bewerten nach den Merkmalen oben, Seite für Seite.
  3. Um Entfernung bitten, wo ein Ansprechpartner erreichbar ist.
  4. Erst danach an das Entwertungswerkzeug denken – und im Zweifel

jemanden fragen, der es kennt. Falsch eingesetzt schadet es mehr als die Links.

Was Sie an der eigenen Seite prüfen sollten

Bei Linkfarmen denkt man zuerst an das, was hereinkommt. Der seltenere, aber gefährlichere Fall ist das, was hinausgeht.

Sehen Sie sich an, wohin Ihre Website verlinkt. Bei den meisten Betrieben sind das eine Handvoll Ziele: die Handwerkskammer, ein Lieferant, vielleicht ein Partnerbetrieb. Finden Sie dort Verweise auf Seiten, die Sie nicht kennen, hat das meist einen von zwei Gründen.

Der erste: Jemand hat Sie einmal gebeten, einen Link zu setzen, und Sie haben es getan. Solange das ein echter Partner ist, ist nichts dabei. Handelt es sich um einen Tausch nach dem Muster „Sie verlinken mich, ich verlinke Sie", steht das in einer Grauzone – bei zwei, drei Fällen unproblematisch, bei zwanzig ein Muster, das auffällt.

Der zweite: Ihre Seite wurde manipuliert. Bei älteren Installationen, besonders bei nicht aktualisierten Systemen, werden Links eingeschleust, die für den Besucher unsichtbar sind – in weißer Schrift auf weißem Grund oder im Quelltext außerhalb des sichtbaren Bereichs. Das schadet Ihnen unmittelbar, und Sie merken es nur, wenn Sie nachsehen.

Der Test dauert eine Minute: Öffnen Sie Ihre Startseite, drücken Sie Strg+U für den Quelltext und suchen Sie mit Strg+F nach href. Was Sie dort an fremden Adressen finden, das aber auf der Seite nirgends sichtbar ist, gehört überprüft – und wenn Sie es nicht selbst eingebaut haben, gehört Ihre Installation aktualisiert.

Woran erkenne ich eine Linkfarm?

An der Kombination: beliebige Themen, hunderte ausgehende Links, kein brauchbares Impressum, maschinell übersetzte Texte und ein Zuwachs in Schüben. Einzelne Merkmale kommen auch bei harmlosen Seiten vor, drei zusammen praktisch nie.

Können mir fremde schlechte Links schaden?

In der Regel nicht. Google entwertet erkennbaren Müll, statt die Zielseite zu bestrafen – anders wäre das System angreifbar. Nur bei einem größeren, erkennbar gezielten Muster lohnt es, sich damit zu befassen.

Was ist das Disavow-Werkzeug?

Ein Werkzeug in der Google Search Console, mit dem Sie Google bitten können, bestimmte Verweise nicht zu werten. Es ist ein Notfallwerkzeug: Wer versehentlich gute Links einträgt, verschenkt deren Wirkung dauerhaft. Für lokale Betriebe ist es selten nötig.

Wie erkenne ich, ob ein Rückgang von Links kommt?

Meist gar nicht sicher. Platzierungen schwanken aus vielen Gründen. Ein Zusammenhang ist erst plausibel, wenn der Rückgang zeitlich zu einem erkennbaren Linkzuwachs passt und andere Ursachen ausscheiden – Umbau der Website, Serverprobleme, ein neuer Mitbewerber.

Wie viele Verweise sollte ich im Monat aufbauen?

Es gibt keine Zielzahl, und genau darin liegt der Punkt: Ein natürliches Profil wächst unregelmäßig. Zwei gute Verweise im Quartal, die aus echten Beziehungen stammen, sind mehr wert als zwanzig gleichmäßig verteilte aus einer Quelle.

Was ist eine Linkfarm?

Ein Netzwerk aus Websites, die keinen eigenen Zweck haben, sondern nur angelegt wurden, um von dort auf zahlende Kunden zu verlinken. Suchmaschinen erkennen solche Netzwerke an ihren Mustern und entwerten die Verweise.

Woran erkenne ich einen schlechten Backlink?

An der Kombination mehrerer Merkmale: Die verlinkende Seite behandelt beliebige Themen, führt hunderte ausgehende Links in Listen, hat kein auffindbares Impressum und wirkt maschinell übersetzt. Ein einzelnes Merkmal beweist nichts, drei zusammen praktisch immer.

Soll ich schlechte Backlinks entfernen lassen?

Nur bei einem erkennbaren Muster, einem größeren Anteil am Gesamtprofil und einem tatsächlichen Rückgang der Platzierungen. In allen anderen Fällen ist die Energie bei echten Verweisen aus dem eigenen Umfeld besser angelegt.

Muss ich schädliche Verweise für entwertet erklären?

In den allermeisten Fällen nicht. Google ignoriert offensichtlichen Müll von selbst; das Entwertungswerkzeug ist für den seltenen Fall gedacht, dass eine manuelle Maßnahme vorliegt. Wer es ohne Not benutzt, riskiert, aus Versehen gute Verweise wegzuwerfen.

Woran erkenne ich eine manuelle Maßnahme?

Sie steht in der Search Console unter „Sicherheit und manuelle Maßnahmen". Steht dort nichts, gibt es auch keine – dann brauchen Sie nichts zu tun.

Kann ich schädliche Verweise selbst löschen lassen?

Nur, indem Sie den Betreiber darum bitten – und bei einer Linkfarm antwortet selten jemand. Investieren Sie die Zeit lieber in einen guten neuen Verweis. Ein einziger Eintrag bei der Handwerkskammer wiegt mehr als das Entfernen von fünfzig wertlosen.

Zählen Verweise aus dem Ausland gegen mich?

Nicht von sich aus. Entscheidend ist, ob die verweisende Seite zum Thema passt und ob ein Mensch sie besucht. Ein Fachartikel aus Österreich ist wertvoll, ein Verzeichnis auf einer fremden Sprache ohne jeden Bezug zu Ihrem Gewerk ist es nicht – die Sprache ist dabei nur ein Hinweis, nicht der Grund.

Wie dieser Handgriff ins Gesamtbild passt

Schädliche Verweise gehören zum Baustein Backlinks – fünfzehn Prozent in beiden Welten. Sie sind dort der Punkt, bei dem die häufigste richtige Antwort lautet: nichts tun.

Das klingt bequem, ist aber begründet. Google entwertet erkennbaren Müll, statt die verlinkte Seite dafür zu bestrafen – sonst könnte jeder jedem schaden. Die Energie, die in das Aufräumen fremder Links fließt, ist bei fünf echten Verweisen aus dem eigenen Umfeld deutlich besser angelegt.

Zum Abhaken

  • Verweisende Seiten über die Search Console angesehen
  • Auf die Merkmale geprüft: Thema, Linkzahl, Impressum, Sprache
  • Kein Angebot über gekaufte Links angenommen
  • Bei erkennbarem Muster zuerst um Entfernung gebeten
  • Entwertungswerkzeug nur nach fachlicher Prüfung
  • Stattdessen fünf echte Verweise aus dem eigenen Umfeld angestoßen

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Daniel Götz

Geschrieben von

Daniel Götz

Ich prüfe lokale Betriebe auf ihre Sichtbarkeit - Handwerk, Praxen, Kanzleien. Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus Berichten, die dieser Check tatsächlich erstellt hat, nicht aus einer Studie.

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